Wie versteht Modell Aachen Qualitätsmanagement?

Porter, Malik und viele andere Größen der Unternehmensführung postulieren, dass heutzutage fast jeder Mensch in eine Organisation eingebunden ist, und daher entweder führt oder geführt wird. Wenn darüber hinaus betrachtet wird, dass jeder Mensch zur persönlichen Organisation sich selbst führt, ist Führung ein zentraler und entscheidender Bestandteil unserer heutigen Gesellschaft.

Ähnlich verhält es sich mit dem Qualitätsmanagement, welches alle organisatorischen Maßnahmen umfasst, die erforderlich sind, um definierte Anforderungen an ein Produkt oder an eine Leistung zu erfüllen. Dabei steht im Qualitätsmanagement nicht nur das einmalige Erfüllen einer Anforderung, sondern die Reproduzierbarkeit und eine kontinuierliche Verbesserung hinsichtlich der definierten Anforderungen im Vordergrund.

Nach dem Verständnis des umfassenden Qualitätsmanagements (TQM - Total Quality Management) wird jeder, der eine Anforderung an mich stellt, zu meinem Kunden. Das kann ein externer Kunde sein, aber auch ein Kollege, meine Führungskraft oder aber mein Mitarbeiter. Das Qualitätsmanagement besteht nun darin, diesen Anforderungen möglichst stabil und reproduzierbar sowie mit dem Ziel einer kontinuierlichen Verbesserung nachzukommen. Erbringe ich diese Leistung für meinen Nachfolger in einer Prozesskette wird von Prozessqualität gesprochen, ist es mein Nachfolger im Projektablauf, wird von Projektqualität gesprochen. Erbringe ich die Leistung für meine Führungskraft bzw. meine Mitarbeiter, wird von Führungsqualität gesprochen.

Anhand dessen wird deutlich, dass Qualitätsmanagement angewendet auf eine beliebige Disziplin nichts anderes ist, als die Disziplin selbst - nur stärker systematisiert. Qualitätsmanagement ist für uns von Modell Aachen daher eine Disziplin, welche - wie Führung - ein zentraler und entscheidender Bestandteil unserer heutigen Gesellschaft ist und keine Disziplin einzelner.

Irrtümer und Fehlschläge

Qualitätsmanagement ist in vielen Unternehmen eine verbrannte Disziplin, was auf das grundsätzlich hervorragende Prinzip der Zertifizierung von QM-Systemen auf Basis der DIN ISO 9001 zurückzuführen ist.

Das Prinzip der Zertifizierung von QM-Systemen wurde u. a. stark von der Automobilindustrie getrieben, die auf diesem Wege sicherstellen wollte, dass Lieferanten eine Produktqualität nicht nur einmalig (z. B. als Erstmuster) sondern reproduzierbar liefern können. Um dies zu erreichen, wurde die Auditierung von Lieferanten entsprechend eines geeigneten Kriterienkatalogs (ISO 9001) durch den Kunden (Second Party Audit) oder einen externen Auditor (Third Party Audit) eingeführt. Da der Auditor die realen Prozesse nicht über Tage und Wochen beobachten kann, ist dieser auf eine Dokumentation angewiesen, die ihm die organisatorischen Zusammenhänge im Unternehmen aufzeigt. Stichprobenartig versucht er herauszufinden, ob die Dokumentation auch der gelebten Realität entspricht.

Das System der Zertifizierung wurde jedoch in den vergangenen Jahren stark ad absurdum geführt, indem Qualitätsmanagement durch Zertifizierungsdruck von außen oftmals nicht mehr eigenmotiviert, sondern ausschließlich mit dem Ziel des Zertifikaterhaltes betrieben wurde. Dazu wird eine in sich schlüssige und möglichst generische Managementsystemdokumentation erarbeitet und alle Mitarbeiter geschult, sich bei Fragen des Auditors auf diese zu beziehen. Damit ist eine Parallelwelt des Qualitätsmanagements entstanden, welche ausschließlich dem Zertifikaterhalt - einem Nachweis nach außen - dient. Der Qualitätsmanager profitiert dabei von einem reduzierten Pflegeaufwand der QM-Systemdokumentation, da nicht jede Änderung der Realität in der Dokumentation nachgezogen werden braucht. Auf der anderen Seite bleibt diese ohne jeden unternehmerischen Nutzen, was dazu führt, dass Qualitätsmanagement in vielen Köpfen als eine bürokratische, bremsende, unnötige Disziplin verankert ist. Nicht zuletzt ist es ein Resultat dieser Zusammenhänge, dass Qualitätsmanagement als eine Disziplin zum Zertifikaterhalt angesehen wird - eine traurige Degradierung.

QM und QS

Qualitätssicherung ist das Messen, Prüfen und Bewerten einzelner Qualitätsmerkmale und das entsprechende Handeln daraus. Auch wenn das Qualitätsmanagement historisch aus der Qualitätssicherung hervorgegangen ist, dürfen diese Disziplinen nicht gleichgesetzt werden. Die Qualitätssicherung ist eine produktionsnahe Einheit, welche organisatorisch sowie personell meist bewusst von den Ausführenden, z. B. Werkern, getrennt ist. Das heißt, dass beispielsweise ein Produkt bewusst aus der Produktion der Qualitätssicherung übergeben wird, damit diese die erforderlichen Messungen und Prüfungen durchführen kann.

Die QM-Abteilung sollte dagegen als Stabstelle der Geschäftsführung/ dem Vorstand zugeordnet sein und übernimmt primär eine beratende, schulende und moderierende Rolle. Gerade in der Frühzeit der QM-Kriterienkataloge handelte der Qualitätsmanager wie ein Qualitätssicherer, indem er die zur Verfügung gestellten Dokumente statt mit einem Messgerät mit dem QM-Kriterienkatalog gemessen, geprüft und entsprechend gehandelt hat. Im Umkehrschluss entstanden Dokumente, die auf den Kriterienkatalog ausgerichtet waren, so dass häufig pro QM-Kriterium ein Dokument erstellt wurde. Trotz der Weiterentwicklung der Normforderungen und der Ausrichtung des Qualitätsmanagements auf Prozessorientierung findet man nicht selten weiterhin QM-Systeme in der Struktur der Normkapitel, welche im Sinne einer Qualitätssicherung bearbeitet werden.

Im modernen prozessorientierten Qualitätsmanagement wird das Unternehmen in einer möglichst zusammenhängenden Prozessstruktur abgebildet, so wie es die Mitarbeiter im Alltag erleben und es für sie am meisten Mehrwert liefert. Im Hintergrund findet die Zuordnung zu Normkapiteln und den Anforderungen an ein QM-System statt, ohne dass diese Information den Mitarbeiter interessieren braucht.