In einem Unternehmen könnt ihr Qualität auf zwei Wegen leben und erleben: Entweder bestimmt ihr eigeninitiativ und proaktiv über die Qualität eurer Produkte und Prozesse. Oder ihr kümmert euch erst dann darum, wenn die ersten Probleme auftreten. In diesem Fall befindet ihr euch direkt im „Fire-Fighting-Modus“ und müsst Brände löschen, die sich an Kundenreklamationen und internen Beschwerden entzünden.
Leider treffe ich in meinem Arbeitsalltag auf viele Unternehmen, die in eben diesem reaktiven Modus gefangen sind und der Qualität ihrer Produkte und Prozesse hinterherlaufen. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig: Einerseits liegt es an mangelnden Ressourcen und knapper Zeit, andererseits auch an dem Mindset, man könne Qualität ja später noch „nachholen“. Nämlich dann, wenn der Kunde danach „schreit“.
Dabei wäre es so viel einfacher, wenn Unternehmen von vornherein an die Qualität ihrer Produkte und Prozesse denken würden. Genau das hat die proaktive Qualitätssicherung im Sinn. Eines der wichtigsten Werkzeuge dieser Art der Qualitätssicherung ist die sogenannte Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse, kurz: FMEA.
Im Rahmen der FMEA deckt ihr mithilfe eines strukturierten Ansatzes in einem interdisziplinären Team frühzeitig Fehlermöglichkeiten von Prozessen und Produkten auf und vermindert so Fehlerrisiken. Idealerweise wird die FMEA als ein lebendiges, zentrales Know-how-Dokument im Unternehmen behandelt.
Zugegeben: Die anfängliche Erstellung einer FMEA erfordert ein gewisses Maß an Aufwand und Expertise. Im Vergleich zu den Kosten einer Reklamation sind sie jedoch deutlich geringer. Benötigt also jedes Unternehmen zwingend eine FMEA? Ich sage: Nein, ein Muss ist es nicht. Aber Unternehmen, die bewusst darauf verzichten, müssen die Konsequenzen in Kauf nehmen, die sich aus schlechter Qualität ergeben.
Da wir uns aktuell in der Urlaubszeit befinden, bediene ich mich eines Sommervergleichs: Wer ans Meer fährt, sollte sich vor dem Sonnenbaden ordentlich mit Sonnenschutz eincremen. Aber musst du dich wirklich eincremen, wenn du gerade einfach keine Lust darauf hast? Klar, einige Personen verbrennen in der Sonne schneller als andere. Das bedeutet jedoch nicht, dass du auch gezwungen bist, dich einzucremen. Nur beschwere dich nicht, wenn du am Ende mit einem ordentlichen Sonnenbrand dastehst.
Was hat das Ganze nun mit schlechter Qualität zu tun? In beiden Szenarien bist du hinterher schlauer. Denn spätestens nach deinem ersten Sonnenbrand und nach deinem ersten Produktrückruf weißt du, warum du zukünftig auf Sonnencreme – und auf proaktives Qualitätsmanagement – setzen wirst.
Viele Qualitätsverantwortliche sind „gebrannte Kinder“: Sie wissen aus Erfahrung ganz genau, dass es sinnvoll ist, in Tools zur proaktiven Qualitätsplanung zu investieren.
Damit du von ihnen lernen kannst, ohne dich dabei selbst zu verbrennen, habe ich 30 Profi-Tipps aufgeschrieben, wie du eine FMEA besser nicht angehst. Meine Tipps helfen dir, solltest du auf deiner internen Mission für proaktives Qualitätsmanagement auf Widerstand stoßen.
Wenn du diese Tipps befolgst, fährst du die FMEA garantiert gegen die Wand und spielst deinen internen Kritiker:innen direkt in die Hände. Wenn du aber aus meinen Vorschlägen zum Scheitern die richtigen Schlüsse ziehst, gelingt dir die FMEA mit Erfolg.
Idealerweise machst du sie zu einem integralen Bestandteil eures Qualitätsmanagementsystems. So stellst du sicher, dass Änderungen und neuer Input regelmäßig ihren Weg in die FMEA finden. Und damit gehört dein Unternehmen zur absoluten Königsklasse!
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